Davidstadt

Die Geburtsstätte Jerusalems

Mein Weg führte mich heute in den ältesten Teil Jerusalems – die Davidstadt. Dieses Gebiet, in dem die Jebusiter vor 4000 Jahren die Stadt gründeten, liegt südlich der Klagemauer außerhalb der Altstadt. Hier liegen die ganz frühen Anfänge der Stadt vergraben, die man als Besucher mit einem Rundgang durch den dort errichteten Nationalpark erkunden kann. Entweder lässt man sich den Park durch eine Führung zeigen oder man zieht einfach auf eigene Faust los. Ich hatte natürlich Opa an meiner Seite, der heute zu meinem ganz persönlichen Tour-Guide wurde.

© Ina Beyer, Berlin

Es war ein furchtbar heißer Tag, und eigentlich hätte ich lieber eine kalte Cola oder ein Eis gehabt, aber Opa versprach mir, dass mich in diesem Park eine kühle Erfrischung erwartet. Aber dazu komme ich später. Direkt hinter dem Eingang erwartete uns nämlich zunächst ein ziemlicher großer Steinbau, von dem Opa mir erklärte, dass er vielleicht zu dem sagenumwobenen König David gehörte. Aus der Bibel wissen wir nämlich, dass David sich einen Palast bauen ließ und so manche Archäologen vermuten, dass dieser Steinhaufen zu dem Palast gehören könnte, auch wenn es dafür keine wirklichen Beweise gibt.

Danach gingen wir ins so genannte königliche Viertel, wo die reicheren Beamten ihre Häuser erbaut haben. Die Archäologen fanden hier unter anderem ein Haus mit drei großen Räumen, die an einen Innenhof angrenzen. Sie nennen es das Haus des Ahiel, weil sie in diesem Haus eine Tonscherbe mit diesem Namen gefunden haben, und wer weiß, vielleicht hat hier wirklich mal jemand gewohnt, der so hieß. Aber unsere Tour durch den Park war hier noch lange nicht zu Ende, und so stiegen wir über eine Treppe in die Tiefe. Hier unten war es schon sehr viel kühler, und die Luft war viel feuchter. Ich fragte meinen Opa, wo wir hier gelandet sind, und er erzählte mir sogleich, dass sich hier eine wichtige Wasserquelle befindet, die die Bewohner Jerusalems zu verschiedenen Zeiten nutzten, um sich mit Wasser zu versorgen (Gihon-Quelle). Heute hat man die Möglichkeit, dem älteren kanaanitischen oder aber dem später von Hezekhias errichteten Tunnel zu folgen. Ich empfehle ja jedem, den viel längern Hezekhias-Tunnel zu durchlaufen, denn hier erwartete mich endlich die von Opa versprochene Erfrischung. Dazu empfehle ich euch aber unbedingt, eine Taschenlampe mitzunehmen. Denn ist man erstmal durch den Eingang des Tunnels geschlüpft, befindet man sich in einem dunklen und schmalen Gang, durch den heute noch das Wasser fließt. Zunächst waren nur meine Füße nass, doch schon wenige Schritte später stand ich bis zur Hüfte in dem kalten Wasser.

© Ina Beyer, Berlin

500 m lang ist dieser und Tunnel, und wir stapften 20 Minuten lang durch das kühle Nass, es war fast unheimlich in diesem dunklen Gang, in dem jedes Wort das Opa und ich sprachen, durch den Tunnel hallte. An einer Stelle blieb Opa stehen und deutete auf eine Tafel mit hebräischen Buchstaben. Er erklärte mir, dass hier die Bauarbeiter des Tunnels von zwei Seiten aufeinander zu gegraben haben und sie hier mit der Inschrift die Stelle markierten, an dem sie sich in der Mitte getroffen haben. Die Tafel, die dort zu sehen ist, ist nur eine Kopie, das Original befindet sich heute in einem Museum in Istanbul. Es dauerte auch nicht mehr lang bis wir endlich das Ende des Tunnels erreichten. Dort trifft man zunächst auf das so genannten Siloam Becken und danach auf den Shiloach Teich, von dem die Christen glauben, dass es der Ort ist, an dem Jesus einen Blinden geheilt hat. Hier endete meine ganz persönliche Führung von Opa durch die Davidstadt.

www.cityofdavid.org.il