Der Tempelberg

 

Ein Tag auf dem Tempelberg

© DEI Jerusalem

Heute war ich endlich auf dem Tempelberg, das ist gar nicht so selbstverständlich, wie es klingt, denn für Nicht-Muslime ist der Zugang zum Tempelberg auf wenige Stunden am Tag beschränkt. Ist man aber erst einmal oben, bekommt man gleich drei interessante Sachen zu sehen: die El-Aqsa Moschee, den Felsendom und den Kettendom. Als wir ankamen, waren die großen Plätze auf dem Tempelberg fast leer. Die Muslime saßen im Schatten unter den Bäumen, tranken gemütlich ihren Tee und unterhielten sich. Es ist ein sehr angenehmer und ruhiger Platz in Jerusalem. Wir betrachteten den Felsendom, auf dessen Kuppel über 80 Kilogramm Gold verarbeitet wurden. Das ist ein gigantisches Gebäude und durch seine bunte Bemalung ein richtig schöner Farbklecks inmitten der Altstadt. Leider konnte ich mir das Innere des Felsendoms und der El-Aqsa Moschee nicht anschauen, da der Zutritt für Nicht-Muslime derzeit verboten ist. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.

 

© Ina Beyer, Berlin

Geschichte

Ein Tempelberg ohne Tempel? Das war nicht immer so. Der erste Tempel wurde von König Salomo im 10. Jahrhundert v. Chr. erbaut, aber zerstört, als Nebukadnezar, der Herrscher über Babylon, Jerusalem eroberte. Ein Teil der Bevölkerung wurde nach Babylonien ins Exil geführt, aber als sie in ihre Heimat wieder zurückkehren durften, bauten sie einen neuen Tempel. Das war dann schon der zweite, der unter Herodes dem Großen im 1. Jahrhundert v. Chr. ausgebaut und verschönert wurde. Hier bewahrten die Juden ihr Allerheiligstes auf, die Bundeslade mit den 10 Gesetzestafeln, die Moses auf dem Berg Sinai von Gott empfangen hat. Aber dieser neue und prachtvolle Tempel wurde ebenso wie der erste Opfer des Schicksals. Oder besser zum Opfer der Römer, denn sie zerstörten diesen für die Juden überaus wichtigen Ort 70 n. Chr. Seither ist auf dem Tempelberg kein Tempel mehr erbaut worden. Die Muslime errichteten genau an dieser Stelle im 7. Jahrhundert den Felsendom.  Ich fragte mich, warum Juden wie Muslime ausgerechnet hier ihre Heiligtümer bauen wollten? Das ist schnell erklärt oder in der Bibel nachzulesen: Im Inneren des Gebäudes liegt der Fels Moria, auf dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte, bis ein Engel ihn daran hinderte. Dieser Ort ist für Muslime und Juden wichtig. Die Juden errichteten hier ihr Allerheiligstes, und für die Muslime ist es auch der Ort, an dem  Mohammed in den Himmel aufgestiegen sein soll. Im Übrigen soll er dabei auf dem Felsen einen Fußabdruck hinterlassen haben.

Wenn ihr euch ein Bild vom zweiten Tempel machen wollt, dann macht einfach einen Ausflug ins Israel-Museum, da steht ein gigantisches Modell Jerusalems in antiker Zeit.