Klagemauer

Große Mauer – Großer Streit

© Ina Beyer, Berlin

Den Tempel gibt es heute nicht mehr, aber es ist noch ein Teil der Außenmauer vorhanden, die den herodianischen Tempel umgab. Diese Mauer, auch als Western oder Wailing Wall bekannt, ist heute der wichtigste Ort der Juden in Jerusalem, denn hier sind sie dem Ort am nächsten, an dem ihr Tempel einst stand.  Jüdische Gläubige bevorzugten schon immer an dieser Stelle zu beten und nicht oben auf dem Tempelberg. Denn irgendwo da oben befindet sich das Allerheiligste (die Stelle, an der der Tempel und die Bundeslade gestanden haben sollen), das nur von Priestern betreten werden darf. Möchte man diesen Ort heute besuchen, so muss man mit einigem Aufwand durch eine Sicherheitskontrolle gehen und seinen Rucksack oder seine Tasche vorzeigen. Man sollte auch darauf achten, wie man gekleidet ist, Frauen sollten ihre Schultern bedeckt halten, andernfalls werden ihnen an den Eingängen Tücher angeboten, die sie sich über die Schultern legen können. Ist man erst einmal durch die Sicherheitskontrolle durch, gelangt man auf einen großen Platz. Dieser Platz ist so gut wie immer voll mit Besuchern aus aller Welt, man hört aus allen Richtungen Gesänge und sieht viele Menschen vor der Mauer beten. Besonders aufgefallen sind mir hier die vielen orthodoxen Juden mit ihrer schwarzen Kleidung und den großen Hüten. Es gibt hier zwei Bereiche, die beide direkt zur Mauer führen, der eine ist für Männer und der andere für Frauen, die in getrennten Bereichen beten. Opa drückte mir einen kleinen Zettel und einen Stift in die Hand. Auf diesen Zettel sollte ich etwas schreiben, das ich mir für meine Zukunft wünsche. Ich musste nicht lange überlegen und notierte das sogleich auf diesen kleinen Zettel, ohne Opa zu verraten, was ich mir ausgedacht hatte. Dann ging er mit mir an die Westmauer und deutete auf die Ritzen zwischen den Steinen. Hier waren schon sehr viele Zettel von anderen Besuchern hineingesteckt worden, aber ich fand noch einen freien Platz und stopfte meinen kleinen gefalteten Zettel dazu. Opa erkärte mir, dass diese Zettel regelmäßig aus den Ritzen herausgeholt und auf dem Ölberg vergraben werden. Mal sehen, ob das funktioniert, vielleicht habe ich ja Glück und mein Wunsch geht in Erfüllung.

P.S.: Noch ein kleiner Tipp für die Daheimgebliebenen: Die Wünsche kann man inzwischen auch per Fax oder E-mail an die Westmauer schicken. Schaut doch mal rein unter, http://english.thekotel.org/SendNote.asp?icon=1, dort könnt ihr einfach eure Nachricht verfassen und abschicken. Und unter http://english.thekotel.org/ könnt ihr über eine Webcam live mitverfolgen, was gerade so an der Mauer passiert.

© DEI Jerusalem

Geschichte

Die Westmauer oder Klagemauer ist ein Teil einer riesigen Umfassungsmauer, die Herodes der Große im 1. Jahrhundert v. Chr. um den Tempel errichten ließ. Nach der Zerstörung des Tempels und großer Teile der Tempelanlage 70 n. Chr. blieb dieser Teil der Außenmauer erhalten. Die großen unteren Steinblöcke stammen aus der Zeit des Herodes, die kleineren darüber liegenden Schichten aus der Zeit, in der auch die El-Aqsa Moschee erbaut wurde.  Dieser Teil ist deshalb von großer Bedeutung, weil er dem Allerheiligsten des ehemaligen Tempels am nächsten lag, in dem u.a. die Bundeslade mit den 10 Gesetzestafeln aufbewahrt wurde. Dieser Ort war im Laufe der Geschichte immer ein Ort für jüdische Pilger. Der Platz vor der Klagemauer war nicht immer unbebaut, während der osmanischen Herrschaft standen hier zahlreiche Wohnhäuser, die nur einen schmalen Gang zur Mauer frei ließen. Im israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 verloren die Juden den Zugang zur Klagemauer, als dieser Teil der Altstadt unter jordanische Kontrolle fiel. 1967, im 6-Tage-Krieg, eroberten die Israelis diesen Platz zurück und zerstörten die umliegenden Häuser, um einen Platz vor der Mauer zu schaffen.